von Rena Junginger
Umfrage zum Thema Einsamkeit bei Schülerinnen und Schülern



Nachdem die Klasse 1BK2P (1jähriges Berufskolleg Gesundheit und Pflege II) der Fritz-Ruoff-Schule sich im Pädagogik/Psychologie-Unterricht mit wissenschaftlichem Arbeiten und wissenschaftlicher Methodik beschäftigt hatte, beschlossen die Schüler*innen gemeinsam mit ihrer Lehrerin Frau Junginger ihr gelerntes Wissen in die Praxis umzusetzen. Die Idee zu einer eigenen kleinen Untersuchung war geboren: In Kleingruppen suchten Schüler*innen nach geeigneten Forschungsthemen nach. Eine Forschungsfrage war schnell gefunden: Spielt Einsamkeit in der Schülerschaft eine Rolle?
In kleinen Einheiten im Unterricht wurde dann an der Umfrage gearbeitet, besonders an der Art der Fragen und der Fragetechnik gefeilt, um sicher zu stellen, dass die Umfrage auch wirklich das messen würde, was gemessen werden sollte, nämlich ob und wenn ja, wann und in welcher Intensität sich Schüler*innen unserer Schule einsam fühlen und was mögliche Gründe dafür sein könnten. Am 12.5.2026 startete die Onlineumfrage. Fast zwei Monate hatten alle 1700 Schüler*innen der Schule die Gelegenheit, ihr ganz persönliches Erleben mit Blick auf Einsamkeit in eine Onlinemaske einzutragen.
Die zunächst als kleine Umfrage geplante Untersuchung stellte sich nach Ablauf der Laufzeit als ernstzunehmende kleine Studie heraus. Die Stichprobe (Anzahl der Teilnehmer*innen) sollte bei der Größe der Schülerschaft mindestens 314 betragen. Tatsächlich haben 402 Schüler*innen teilgenommen, was somit wirklich aussagekräftig auf die Grundgesamtheit ist. Im Folgenden sollen nun die Ergebnisse der Umfrage dargestellt werden:
Die große Mehrheit der Schüler*innen (63 %) bestätigen, dass sie sich einsam fühlen. 29 % empfinden dieses Gefühl mindestens einmal pro Tag, bei 42 % der Befragten tritt es einmal pro Woche auf. Über die Hälfte gibt an, sich nicht mehr erinnern zu können, seit wann sie sich einsam fühlen. Jeweils fast zu gleichen Anteilen werden mehrere Monate (16 %) bzw. die Pandemie (14 %) als grober Beginn einer Änderung in der eigenen Gefühlslage benannt.
Die 37 % der Schüler*innen, die sich dagegen nicht einsam fühlen, nennen als Gründe ein verlässliches Umfeld (131 Nennungen), die Fähigkeit eine Zeit lang, gut allein auszukommen (100 Nennungen), ein gesundes Selbstbewusstsein (77 Nennungen) und eine positive Grundhaltung (70 Nennungen).
In der offenen Frage nach konkreten Auslösern werden insgesamt 94 sehr ehrliche und ausführliche Antworten gegeben (die restlichen 159 Probanden verneinten die Existenz eines oder mehrerer Auslöser), die tiefe, zum Teil erschreckende Einblicke in die Gefühlswelt der Teilnehmer*innen gewähren. In vielen Fällen geht es um Verluste geliebter Personen, sei es durch Tod oder Trennung, das schmerzliche Gefühl nicht dazuzugehören, bis zu Mobbingerfahrungen in der Klasse, Probleme im Elternhaus oder Übergänge im Leben wie Wegzug oder die erste eigene Wohnung.
Diese Aussagen korrelieren mit den Angaben zu den Situationen, in denen die Einsamkeit auftritt: Die meisten fühlen sich einsam, wenn sie auch tatsächlich allein sind oder sich auf Social Media aufhalten. Aber auch in Gesellschaft tritt Einsamkeit auf, in Bus und Bahn, sowie in der Schule.
Das Gefühl der Einsamkeit manifestiert sich aus einem Zusammenspiel mehrerer Gefühle und Gedankenwelten, wie der Traurigkeit (92,5 %), und dem Wunsch, dass der Zustand endlich aufhört (81,8 %) und man sich mehr zutraut (62,8 %). Denn die Kontaktaufnahme mit anderen (66 %) oder die eigene Ablenkung (60,8 %) fallen hier ausdrücklich schwer.
Dennoch bleibt der Versuch der Ablenkung nicht unversucht. Als mögliche Aktivitäten werden (digitale) Treffen mit Freund*innen oder liebevollen Menschen (229 Nennungen), Sport (83 Nennungen), sich etwas gönnen (111 Nennungen) und die Reflexion der eigenen Einsamkeit (76 Nennungen) genannt.
Ein kleiner Anteil der Befragten (17 %) hat bereits professionelle Hilfe in Anspruch genommen, (21 %) könnten sich dies vorstellen. Sowohl diejenigen, die sich selbst nicht als einsam bezeichnen und die Betroffenen sind bereit, anderen ihnen nahestehenden Menschen in einsamen Lebenslagen zu helfen. Damit ist die Solidarität bei diesem Thema sehr groß.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Umfrage gezeigt hat, dass Einsamkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle im Schulalltag spielt. Das ist umso wichtiger festzustellen, da die Einsamkeit eine stille Begleiterin ist, die sich zumeist gar nicht und wenn doch selten laut äußert. Wir sollten alle wachsamer in unserem gemeinsamen Schulleben sein, und aufmerksamer und hellhöriger für kleinste Anzeichen von Unwohlsein anderer.
Alle Betroffenen können sich vertrauensvoll an die Schulsozialarbeit, sowie an die Vertrauenslehrkräfte wenden.
Wir danken für die große Teilnahmebereitschaft an unserer Umfrage!
Ihre 1BK2P
